(Muster-)WeiterbildungsordNung 2018 - STAND: 11.05.2019

Eine hervorragende Übersichtsarbeit zur neuen MWBO von Paul Janssen und Johannes Kruse findet sich in Heft 02/Mai 2019 der “Ärztlichen Psychotherapie” und hier zum Download.

Der vollständige Text der neuen Musterweiterbildungsordnung, wie sie auf dem 121. Deutschen Ärztetag 2018 in Erfurt und im November 2018 von der Bundesärztekammer beschlossen wurde findet sich hier (ab Seite 260 des PDF-Dokumentes geht es um das Gebiet Psychosomatische Medizin und Psychotherapie).

Die wesentlichsten Veränderungen gegenüber der bisherigen Weiterbildungsordnung sind im Folgenden fettgedruckt.

Gebietsdefinition

Das Gebiet Psychosomatische Medizin und Psychotherapie umfasst die Erkennung, psychosomatisch-medizinische und psychotherapeutische Behandlung, Prävention und Rehabilitation von Krankheiten und Leidenszuständen, an deren Verursachung und Chronifizierung psychosoziale, psycho-somatische und somato-psychische Faktoren einschließlich dadurch bedingter körperlich-seelischer Wechselwirkungen maßgeblich beteiligt sind.

Weiterbildungszeit

60 Monate Psychosomatische Medizin und Psychotherapie unter Befugnis an Weiterbildungsstätten, davon

  • müssen 12 Monate in anderen Gebieten der somatischen Patientenversorgung abgeleistet werden

  • können zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in Psychiatrie und Psychotherapie und/oder Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie erfolgen

Als Gebiete der unmittelbaren Patientenversorgung (nach §2a der MWBO) gelten: Allgemeinmedizin, Anästhesiologie, Arbeitsmedizin, Augenheilkunde, Chirurgie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Humangenetik, Innere Medizin, Kinder- und Jugendmedizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Neurochirurgie, Neurologie, Nuklearmedizin, Öffentliches Gesundheitswesen, Phoniatrie und Pädaudiologie, Physikalische und Rehabilitative Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Radiologie, Strahlentherapie, Transfusionsmedizin und Urologie.

Kognitive und Methodenkompetenz (Kenntnisse) [Richtzahl 240 Std.]

  • Wesentliche Gesetze und Richtlinien, insbesondere hinsichtlich Patientenrechte, Behandlung, Unterbringung und Betreuung psychisch Kranker

  • Theorie in Krankheitslehre und Diagnostik

  • Konzepte der psychosomatischen Medizin

  • Ätiologie und Chronifizierung psychischer und psychosomatischer Störungen und Erkrankungen

  • Konzepte der psychosozialen Belastungen und der Lebensqualität bei somatischen Störungen

  • Konzepte der Bewältigung von somatischen Störungen und Erkrankungen einschließlich spezieller Verfahren der Diagnostik bei seelisch-körperlicher Wechselwirkung

  • Psychopathologie, psychiatrische Nosologie, Neurobiologie, Genetik und Epigenetik der psychischen und psychosomatischen Störungen

  • Verhaltensdiagnostik, Psychodynamik und Gruppendynamik, Lernpsychologie, psychodiagnostische Testverfahren

  • Generationsübergreifende neurobiologische und psychologische Entwicklungskonzepte, Psychotraumatologie und Bindungstheorie

  • Konfliktlehre, Ich-Psychologie, Strukturtheorie, Objektbeziehungstheorie, Selbstpsychologie, Mentalisierungstheorie

  • Sozialpsychologie, Lernpsychologie, Kognitionspsychologie sowie allgemeine und spezielle Verhaltenslehre

  • Wissenschaftlich anerkannte Psychotherapieverfahren und -methoden, insbesondere psychodynamisch/tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Verhaltenstherapie

  • Konzepte der Psychoedukation und der supportiven, imaginativen, ressourcenorientierten, systemischen, achtsamkeitsbasierten und non-verbalen psychosomatisch-psychotherapeutischen Behandlungen

  • Störungsorientierte Methoden und Techniken bei psychischen und psychosomatischen Störungen und Erkrankungen

  • Verhaltensauffälligkeiten und psychosomatische Störungen im Kindes- und Jugendalter

  • Verhalten bei nicht-stoffgebundenen und stoffgebundenen Süchten

  • Psychodynamische/tiefenpsychologische Einzeltherapie, psychodynamische Paartherapie, Familientherapie einschließlich systemischer Therapie, Gruppenpsychotherapie und Psychotraumatherapie mit Anwendung von traumaspezifischen Techniken

  • Verhaltenstherapeutische Einzel- und Paartherapie, Familientherapie einschließlich systemischer Therapie, Gruppenpsychotherapie und Psychotraumatherapie mit Anwendung von traumaspezifischen Techniken

  • Prävention, Früherkennung und Rehabilitation psychosomatischer Störungen und Erkrankungen

  • Klassifikationsmodelle der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit von Patienten mit psychischen Erkrankungen und Störungen, z.B. International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF)

Handlungskompetenz (Erfahrungen und Fertigkeiten)

  • Wissenschaftlich begründete Gutachtenserstellung (Richtzahl: 3)

  • Psychosomatische und psychotherapeutische Anamnese und Befunderhebung, davon

    • Untersuchungen mit unmittelbarem Bericht im Konsiliar- und Liasiondienst (Richtzahl: 40)

  • Psychosomatische und psychotherapeutische Untersuchungen einschließlich psychopathologischer Befunde und deren standardisierter Erfassung, davon

    • ENTWEDER dokumentierte Untersuchungen im psychodynamischen/tiefenpsychologischen Verfahren, z.B. psychodynamisches Erstinterview, tiefenpsychologisch-biographische Anamnese, strukturierte Interviews einschließlich Testdiagnostik, davon können bis zu 20 Untersuchungen in der jeweils anderen Grundorientierung erbracht werden (Richtzahl: 60)

    • ODER dokumentierte Untersuchungen im verhaltenstherapeutischen Verfahren, z.B. strukturierte Interviews, Testdiagnostik und Verhaltensanalyse, davon können bis zu 20 Untersuchungen in der jeweils anderen Grundorientierung erbracht werden (Richtzahl: 60)

  • Psychopharmakotherapie und Risiken des Arzneimittelgebrauches

  • Mitbehandlung im interdisziplinären Team bei somatischen Erkrankungen/Störungen, die einer psychosomatischen und psychotherapeutischen Behandlung bedürfen

  • Psychosomatische-psychotherapeutische Gesprächsführung und Beziehungsgestaltung zur Klärung psychosomatischer Interaktionen sowie zum Aufbau eines psychosozialen Krankheitsverständnis und von Therapiemotivation

  • Entspannungstechniken, z.B. Hypnose, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung (keine Richtzahl mehr)

  • Psychosomatisch-supportive und psychoedukative Therapien bei somatisch Erkrankten

  • Psychotraumatherapien mit Anwendung von traumaspezifischen Techniken, z.B. Eye Movement Desensitization Reprocessing (EMDR) (Richtzahl: 5)

  • Psychosomatische und psychotherapeutische Behandlungen einschließlich traumabedingter und sexueller mit besonderer Gewichtung der psychosomatischen Symptomatik unter Einschluss der Anleitung zur Bewältigung somatischer und psychosomatischer Störungen und Erkrankungen und der multimodalen psychosomatisch-psychotherapeutischen Komplexbehandlung und der multimodalen Therapie im stationären Setting in dokumentierten Fällen, davon können bis zu 20 in der jeweils anderen Grundorientierung erbracht werden (Richtzahl: 100)

  • ENTWEDER Behandlungen unter Supervision im psychodynamischen/tiefenpsychologischen Verfahren, davon,

    • Einzelpsychotherapien von 30 bis 100 Stunden pro Behandlungsfall einschließlich Bericht an den Gutachter (Richtzahl: 8)

    • Kurzzeitpsychotherapien von 5 bis 25 Stunden pro Behandlungsfall (Richtzahl: 50)

    • Gruppenpsychotherapien von 200 Stunden mit 3 bis 9 Patienten

  • ODER Behandlungen unter Supervision im verhaltenstherapeutischen Verfahren, davon,

    • Langzeitpsychotherapien von jeweils 30 bis 80 Stunden pro Behandlungsfall einschließlich Bericht an den Gutachter (Richtzahl: 8)

    • Kurzzeitpsychotherapien von 5 bis 25 Stunden pro Behandlungsfall (Richtzahl: 50)

    • Gruppenpsychotherapien von 200 Stunden mit 3 bis 9 Patienten

  • Indikationsstellung zur psychosomatischen Rehabilitation und Differentialindikation zur psychiatrischen Rehabilitation

  • Befunderstellung für Rehabilitationsanträge

  • Krisenintervention bei Suizidalität, Traumafolgestörungen, akuten Belastungsreaktionen, akuten Angststörungen, psychotischen Zuständen, Dissoziationen

  • Selbsterfahrung zur Stärkung personaler und Beziehungskompetenzen, welche im gleichen psychotherapeutischen Verfahren erfolgen muss, in welchem die Psychotherapiestunden geleistet werden, davon

    • ENTWEDER im tiefenpsychologisch/psychodynamischen Verfahren in Einzel- und Gruppenselbsterfahrung in Stunden, davon

      • Einzelselbsterfahrung in Stunden (Richtzahl: 120)

      • Doppelstunden in Gruppen (Richtzahl: 40)

    • ODER im verhaltenstherapeutischen Verfahren in Einzel- und Gruppenselbsterfahrung in Stunden (Richtzahl: 150), davon

      • Doppelstunden in Gruppen (Richtzahl: 40)

  • Balintgruppenarbeit und/oder interaktionsbezogene Fallarbeit in Doppelstunden (Richtzahl: 35)

Ab wann ist die (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 in Kraft?

Die neue MWBO bildet die Grundlage, auf der sich künftig angehende Fachärzte für Psychsomatische Medizin, weiterbilden lassen können. In den nächsten Monaten muss die MWBO jedoch noch in die jeweiligen rechtlich verbindlichen Weiter­bildungs­ordnungen der Lan­des­ärz­te­kam­mern umgesetzt werden (dazu ein aktueller Beitrag im Deutschen Ärzteblatt). Derzeit ist davon auszugehen, dass diese Umsetzung in den einzelnen Bundesländern im Laufe des Jahres 2019 abgeschlossen sein wird. Für Informationen zum aktuellen Stand in Ihrem Bundesland wenden Sie sich bitte an die jeweilige Vorsitzende bzw. den jeweiligen Vorsitzenden Ihres DGPM-Landesverbandes.

Kann Man sich bereits jetzt nach der (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 Prüfen lassen?

Dies ist im Rahmen von einzelnen existierenden Weiterbildungsordnung der Länder und Einzelfallregelungen denkbar. Bspw. existiert in der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Westfalen-Lippe der § 10 zur Anerkennung gleichwertiger Weiterbildung, auf dessen Grundlage eine vorzeitige Prüfung nach der MWBO 2018 erwägbar ist. Wenden Sie sich ggf. bitte an die jeweilige Vorsitzende bzw. den jeweiligen Vorsitzenden Ihres DGPM-Landesverbandes sowie an Ihre bzw. Ihren Weiterbildungsbefugte bzw. Weiterbildungsbefugten.


Literaturempfehlungen Für die Facharztausbildung

Mitglieder des Jungen Forums sammeln Literaturempfehlungen hier.